đŸ‡©đŸ‡Ș VideođŸŽžïž MicroserviceđŸ–„ïž Konzept📈 (2018)đŸ»

3. Fachliches Umfeld

Neben HTTP Live Streaming gibt es zahlreiche andere Verfahren, die entweder unidirektionale oder bidirektionale Übertragung ermöglichen. Im Gegensatz zum Live-TV, benötigt bspw. ein zwei- oder mehrseitiges GesprĂ€ch ein Echtzeitprotokoll, wie RTSP oder WebRTC, die es ermöglichen, ohne Verzögerung in alle Richtungen zu senden.

Im Fall von unidirektionalen TV-Konsum kann der Live-Stream unter UmstĂ€nden zeitversetzt sein, was der Fall beim HLS-Protokoll ist. Gleichzeitig ist das HLS-Protokoll ein fĂŒr Video on Demand (VoD) geeignetes Format, da es durch seine Einfachheit unter minimalen Bedingungen erfolgreich eingesetzt werden kann, ergo kann ein HLS-basierter Streaming Service ĂŒberdurchschnittlich kosteneffektiv skaliert werden. Dies wird durch die Verwendung von bloßen HTTP-Anfragen ans Dateisystem ermöglicht. Das HTTP-Protokoll ist zustandslos (stateless), d.h. hinter der Streamingverbindung verbirgt sich grundsĂ€tzlich keine weitere Logik, außer dem unidirektionalen Senden von Audio- und Videosegmenten. Im Vergleich zu zustandsvollen (stateful) Protokollen, die jede Session direkt verwalten (RTMP), spart ein HTTP-basierter Streaming Server diese Rechenresourcen, die teils immens sind. DarĂŒberhinaus macht das HTTP-Protokoll Gebrauch von der weltweiten Internetcache-Infrastruktur, was bei korrekter Konfiguration seitens des Servers den Datenvolumenverbrauch deutlich reduziert9.

HLS ist in vielen umfangreichen Medienservern, wie dem IIS-, Helix-, Wowza– Medienserver und anderen Produkten integriert. Die genannten Streaming-Software-Produzenten bieten vielseitige Konfigurationsoptionen an, etwa fĂŒr Set Top Boxen-spezifische Enkodierung, wobei die, in dieser Arbeit konzipierte Lösung explizit fĂŒr Webencoding bestimmt ist.

Neben HLS gibt es andere bedeutende HTTP Streaming Verfahren, darunter MPEG-DASH (Dynamic Adaptive Streaming over HTTP), Microsoft Smooth Streaming (MSS) und Adobe HTTP Dynamic Streaming (HDS). Zum Einsatz kommen jedoch in seltensten FĂ€llen sie allein, denn in der Regel treten sie in der Form von diversen vertikalen Anwendungen auf, z.B. ein Musikstreamingdienst wie Spotify, der neben der Basistechnologie zahlreiche hausgemachte ErgĂ€nzungen zur Streamingdienstleistung hinzufĂŒgt. Im Internet nutzen die Herausgeber i.d.R. ganze Streaminglösungen aus diversen SoftwarehĂ€usern und Medienunternehmen, die ihrer Beliebtheit nach in Tabelle 2 aufgelistet wurden. Dabei wurden Anwendungen und Technologien gleichermassen in eine Menge vermischt. Streaming ist nicht wie vor 10 oder 20 Jahren der Kommunikationsvorgang an sich. Mittlerweile handelt es sich um ein interdisziplinĂ€ren Begriff, der sowohl im User Interface/User Experience (UI/UX) seine Konkretisierung findet, wie in der Vermessung von Zuschauern (bzw. Usern) durch Statistikunternehmen. Jeder Betreiber richtet sich hierzu einen maßgeschneiderten Player ein, der sowohl den Transport, die EntschlĂŒsselung sowie zahlreiche Analytics- und UI-Features enthĂ€lt, die der Contentanbieter in seinem Kommunikationskonzept vorsieht. Daraus entsteht eine Lösung fĂŒr einen vertikalen Markt (bspw. Musikstreaming oder Sportstreaming), die je nach Akzeptanz ihre Verbreitung findet und ihren Zweck erfĂŒllt. Deswegen muss eine Streaminglösung in ihrem gesamten Kontext betrachtet werden, und nicht hauptsĂ€chlich nach dem Aspekt des Transports und des Formats, denn das alleine gibt wenig Auskunft ĂŒber die praktische Nutzbarkeit in einem bestimmten Kommunikationsszenario.

Tabelle 2: PopularitÀt verschiedener Streaming Anwendungen bzw. -Technologien im Internet nach Webseitenfrequenz. In rot die in dieser Arbeit behandelten Technologien10

3.1. Youtube und andere

Wie in der Einleitung zu diesem Kapitel angesprochen, bedeutet Streaming heutzutage eine ganze Erlebniswelt, Àhnlich wie Virtual Reality und Immersive 360°-Apps.

Youtube fing 2005 als reines Upload & Watch-VergnĂŒgen an11. Schnell haben die User entdeckt, dass kitschige Videos mit Popmusik unterlegt die grĂ¶ĂŸte Beliebtheit erreichen. Deswegen war Youtube faktisch das grĂ¶ĂŸte Musikpiraterieportal der Welt, bis seine Funktionsweise nach Jahren legalisiert und die notwendigen Vereinbarungen mit den Rechteinhabern getroffen wurden, um ihre Werke legal als VoD zum Anhören anzubieten12. Die Originalwerke werden oft mit bizarren Amateurvideos oder Photoslideshows unterlegt, die unter der Regie der jeweiligen Fans auf Youtube entstehen und von ihnen privat hochgeladen werden.

FĂŒr Youtuber, die urheberrechtlich geschĂŒtzte Musik in ihren Produktionen verwenden, ist die Veröffentlichung auf Youtube, Vimeo und DailyMotion ein Weg, den Kosten fĂŒr die Verwendung eines fremden Werkes zu entgehen, sofern das jeweilige Videoportal einen Vertrag mit dem Rechteinhaber fĂŒr die automatische Verwertung seiner Musik besitzt13.

Bezahlt wird diese GratisfunktionalitÀt mit Werbung, die mitten auf dem Video angezeigt wird, der Erfassung der kompletten OnlineaktivitÀt sowohl des Publishers als auch seiner Zuschauer, sowie der Teilnahme an einer vielfÀltigen Community von 1,8 Milliarden eingeloggten Usern.

Musikstreaming ist der Statistik nach die beliebteste TĂ€tigkeit auf Youtube. Von den grĂ¶ĂŸten Musikdiensten Spotify, iTunes, Pandora und Amazon Music wirft Youtube trotz einer riesigen Mediendatenbank die kleinste Rendite fĂŒr die Rechteinhaber ab. Der Grund dafĂŒr ist, daß Youtube a) seit jeher ein Crowd-Upload-Portal ist und die vielfĂ€ltige Musikauswahl den Usern zu verdanken hatte. So ein Angebot ist jedoch chaotisch, da die Metadaten, die die User den Videos beifĂŒgen, oft irrefĂŒhrend oder auch falsch sind. Es gibt also in der Musiksparte von Youtube keine Kuratoren, die sich um die Aufmachung und QualitĂ€t des Musikangebots kĂŒmmern, da der Schwerpunkt auf der Skalierung der Anzahl der Useruploads bis in absurde GrĂ¶ĂŸenordnungen liegt14. Deswegen sind kurierte Musikstreamingdienste wie Spotify und iTunes im Vorteil gegenĂŒber einer chaotischen Mediendatenbank.

Eingeloggte Youtube-User weltweit

Die beliebtesten Youtubevideos aller Zeiten

Abbildung 2: Youtube-User weltweit15 u. beliebteste Youtubevideos aller Zeiten16

DarĂŒberhinaus sind b) Youtube-User daran gewöhnt, dass die Musik auf Youtube umsonst ist. Mittlerweile hat Google versucht, unter einigen Projektnamen ein entgeltpflichtiges Angebot zu erstellen (Youtube Red, Youtube Music Key, Youtube Premium und andere). Diese Programme sind immer wieder an einer ökonomisch nicht zu tragenden Zahl von zahlenden Usern gescheitert. Youtube hat offenbar den genetischen Fehler in seinem Business-DNA, dass seine Kunden ihn fĂŒr gratis halten (genauso wie Luft und Facebook) und ihr Konsumverhalten nicht schnell geĂ€ndert werden kann, auch nicht bei 1,8 Milliarden eingeloggten Usern17.

MerkwĂŒrdigerweise gehört Google Music zu einer anderen Sparte des Google Konzerns, weswegen die beiden Dienste nur bedingt zusammengefĂŒgt werden können, was der Versuch beim Youtube Music Key-Angebot war18.

Es stellte sich also heraus, dass Youtube nicht unbedingt etwas fĂŒr alle ist, vielleicht deswegen, weil Youtube etwas fĂŒr alle sein möchte. Es macht auch bei anderen Portalen Sinn, zu wissen, welche Inhalte vorwiegend mit ihnen gestreamt werden. Alleine die Möglichkeit, zu einer gewissen Usergruppe per gratis-Streaming zu gelangen, bedeutet noch keinen Erfolg, denn die User können vom jeweiligen Streamingportal an eine gewisse Bandbreite, oder FĂŒlle, von Themen gewöhnt sein. So verhĂ€lt es sich mit Facebook, das mittlerweile eine stabile Version seiner Streamingplattform an seine User liefert.

Ebenso sind Livevideos von SchieĂŸĂŒbungen seit Kurzem uner-wĂŒnscht, was im Fall von Youtube zur Löschung des Medien-Assets fĂŒhrt19, obwohl diese Videos keine Kennzeichen der IllegalitĂ€t in den U.S.A. besitzen, wo eine Diskussion ĂŒber die Zensurrolle, die sich Youtube anmaßt, entfacht ist.

Abbildung 3: Die beliebtesten Videopublisher/Facebook Video20

3.2. White Label

Da fĂŒr einen Videounternehmer verstĂ€ndlich ist, daß Youtube, Facebook u.a. mit ihren starken Marken einen gewissen Balast auf die Originalinhalte der Publisher legen, ist es von Vorteil, einen White Label Streaminganbieter in ErwĂ€gung zu ziehen, da dieser unser Kommunikationskonzept nicht mit einem ganzen Korb an eigenen Brandeigenschaften und -funktionalitĂ€ten zudeckt.

In Tabelle 3 wurden die Preise fĂŒr den Betrieb einer VoD- und Live-Streaming-Plattform zusammengetragen. Eine White Label Plattform lĂ€sst uns ĂŒber sĂ€mtliche Playoutfunktionen unserer Video-Assets entscheiden. Von Branding bis Forum sind i.d.R. alle Funktionen vertreten, um eine ganze WebTV-Community zu verwalten, bloß ohne völlig zufĂ€llige User, die durch einen Algorithmus, der nicht kontrolliert werden kann, auf den Inhalt aufmerksam geworden sind, und von demselben Algorithmus wieder zu anderen Anbietern, anderen Inhalten weitergeleitet wurden. Auch wenn ein Video ĂŒber tausend Mal gespielt wurde, heisst es nicht, dass sich darunter meine einschlĂ€gige Kundschaft befindet, da das Zuschauerprofil zu diffus sein kann. Eine White Label Plattform ist fĂŒr einen Webdeveloper ebenfalls verhĂ€ltnismĂ€ssig leicht in eine WordPress, BuddyPress usw. -Community zu integrieren. Auf diese Weise kann der eigene Internetbroadcast geschaltet werden und bei Bedarf ĂŒber eine Paywall verwertet werden, ohne dass andere Publisher auf demselben Portal den Verkaufsprozess stören. NĂ€her an eine unabhĂ€ngige Streaminglösung kommt nur das selbstĂ€ndige Enkodieren der Streams.

HighlightsLivestreamUstreamWowzaIBM Cloud Video
Einstiegspreis$75/mtl.$99/mtl.$199/mtl.$99/mtl.
Spielzeit (Std.) ohne Werbungunbegrenzt1006000100
Speicher (GB)unbegrenzt5025050
Zahl der verfĂŒgbaren KanĂ€le11unbegrenzt1
Wasserzeichenab $999/mtl.ab $799/mtl.√X
Paywallab $999/mtl.XXX
Analytics√ab $399/mtl.√√
Geo restrictionab $999/mtlab $799/mtl.√√
Password Protectionab $999/mtl√X√
Tabelle 3: Preistarife bei bekannten White-Label-Anbietern21

3.3. Monetisierung

Seit es Internetvideo gibt, ĂŒberlegen viele Beteiligte, wie man Geld damit verdienen kann. Die Überlegungen fokussieren auf den sog. dramatischen Inhalten, so wie Theater, Spielfilme, Ballett, aber auch Anleitungsvideos, Schulungsvideos mit „Klassenzimmerblick“ uvm.

Bis auf Videokonferenzen zu GeschÀftszwecken, Videowerbung, die bedingt etwas mit Unterhaltung im Entertainment-Sinn zu tun hat, Kabelnetzwerke, die Internetvideo mit Set-Top-Boxen ausstrahlen, wie auch Gewinnspiele, Pornografie und schockierende Nachrichten, die kein Teil der dramatischen Unterhaltung sind, wurden bislang wenige effektive Methoden zur Gewinnerwirtschaftung durch Internetvideo, insbesondere Webvideo, in der Praxis erprobt22.

Abbildung 4: Marktanteile der grĂ¶ĂŸten VoD-Anbieter in Deutschland
Tabelle 4: Preisstrategien und Angebot der grĂ¶ĂŸten VoD-Anbieter in Deutschland

Die wichtigsten Methoden zur Gewinnerwirtschaftung sind im Webvideo/InternetTV:

  • Werbung / Sponsorship – bspw. Red Bull Air Race23
  • SVoD (Subscription-based VideoOnDemand) – bspw. Amazon Video24
  • TVoD (Transaction-based VideoOnDemand) – bspw. iTunes25

Mittlerweile sind viele Nischenanbieter von Royalty Free (frei von Verwertungsrechten) Videos im Internet entstanden. Technisch und juristisch gibt es kein Hindernis, auf diese Weise ein Footage (hochqualitative Aufnahmen) im Internet zu erwerben, an die eigene Kundschaft durch Änderung des Soundtracks oder der Videospur anzupassen und dafĂŒr zahlende Kunden zu gewinnen. Der Content kann bis zu einem gewissen Grad beliebig sein, solange die urheberrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Solche und viele Ă€hnliche Szenarien sind fĂŒr Unterhaltungs- und Schulungsinhalte im Internet denkbar, machbar und frei von rechtlichen MĂ€ngeln (es sei denn, der Royalty Free Videoanbieter verkauft widerrechtlich eine geschĂŒtzte Videoaufnahme). Streaming wird mittlerweile von den Herausgebern als Element einer ganzen Kommunikationsstrategie, bestehend aus Texten und interaktiven Inhalten, betrachtet, denn als ein selbstĂ€ndiges PhĂ€nomen – wie vor etwa 10 Jahren. Es ist von Vorteil, Streamingtechnologie soweit zu beherrschen, um sie in eigene Webinhalte ohne den Umweg ĂŒber einen Drittanbieter einfĂŒgen zu können. Ein White Label Streaminganbieter lĂ€sst unsere eigenen Inhalte in den Vordergrund rĂŒcken und wir haben volle Kontrolle ĂŒber die Informationen, die der Videoplayer sonst vorspielt.